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Jana Henke nimmt Abschied vom Leistungssport
11.10.2005 Schwimmen








Jana Henke hat ihre Karriere beendet

POTSDAM. Nach 25 Jahren Leistungssport hatte Jana Henke genug. Zehn Tage nach ihrem 32. Geburtstag meldete der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) gestern ganz offiziell den Rücktritt der Potsdamerin, die über 800 Meter Freistil seit 1991 zur Weltspitze gehörte. Da zeitgleich - aber nicht miteinander abgestimmt - auch Weltmeisterin Hannah Stockbauer (23) aus Erlangen ihren endgültigen Abschied verkündete, muss der nationale Verband "von einem Leistungsloch auf Jahre im internationalen Vergleich ausgehen", wie DSV-Sportdirektor Ralf Beckmann zugab.

"Ich wollte mich nicht mehr quälen, hatte keine Lust mehr", sagte Jana Henke gestern gegenüber dieser Zeitung. "Einmal muss Schluss sein. Es wurde Zeit, dass sie ihr Leben in die eigenen Hände nimmt", kommentierte Rainer Welke den Abschied seines Schützlings. Der schwergewichtige Trainer und die zierliche Schwimmerin haben 19 Jahre lang zusammen gearbeitet. Mit großartigem Erfolg.

1991 gewann Jana Henke bei den Welttitelkämpfen in Perth als Dritte ihre erste internationale Medaille, ein Jahr später holte sie in Barcelona Olympia-Bronze. Den größten Triumph konnte das Duo jedoch im Jahr 2002 feiern, als die Freistil-Spezialistin bei den Europameisterschaften in Berlin das Rennen ihres Lebens schwamm und in 8:23,83 Minuten den zweiten kontinentalen Titel nach 1993 erkämpfte. "Das war ein Traum, auch weil keiner mit mir gerechnet hat", so die 1,70 m große Sportlerin mit dem blonden Haarschopf.

Eigentlich wollte Jana Henke, die 1984 aus Löbau in den Potsdamer Luftschiffhafen gekommen war, bereits 1996 ihre Laufbahn beenden. Doch weil sie die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Atlanta verpasste, verlängerte die medizinisch-technische Assistentin ihre Mission. "Warum soll ich aufhören, solange ich vorn mithalten kann", sagte sie sich immer wieder. Sie steckte dabei auch so manchen Rückschlag weg und verlängerte damit sogar den Überlebenskampf des chronisch schwächelnden Schwimm-Stützpunktes Potsdam. Zum Schluss avancierte sie sogar zur ältesten Sportlerin in der Nationalmannschaft, was ihr den Titel "Schwimm-Oma" einbrachte.

Doch obgleich Jana Henke wie kaum eine Zweite wusste, wie sie ihr Training dosieren musste, konnte sie in den letzten ein, zwei Jahren die biologische Uhr nicht mehr völlig zurückdrehen. Die Zipperlein nahmen zu, die Schulter schmerzte immer häufiger. Platz sieben bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 und Rang fünf bei der diesjährigen WM in Montreal waren ihr zu wenig, auch wenn sie damit ihr Auskommen durch die Deutsche Sporthilfe und Sponsoren gehabt hätte. "Ihr Anspruchsniveau lag höher", lobte Trainer Welke noch einmal seinen Schützling.

Jana Henke, die, wenn ihr etwas gegen den Strich ging, auch mal "zickig" reagieren konnte, hat mittlerweile ihre Zelte in Potsdam abgebrochen und im fränkischen Bad Staffelstein bei Coburg wieder aufgestellt. Dort arbeitet sie seit Monatsanfang in einem großen Freizeitbad, wo sie Schwimmkurse betreut. Außerdem muss sie fleißig abtrainieren. "Ich habe ihr Pläne für die kommenden drei Jahre mitgegeben", berichtete Welke. Das nasse Element lässt nicht so schnell los.

(Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, 11.10.2005, Jens Trommer)
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